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TU Berlin

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Rückblick

10. Hans Lorenz Symposium an der Technischen Universität Berlin

Im deutschsprachigen Raum haben sich in Graz, München, Darmstadt, Berlin und Wien jährlich wiederkehrende Tagungen an den örtlichen Universitäten etabliert, die inzwischen jeweils überregionale Bedeutung gewonnen haben, gleichzeitig aber die lokale Community der Geotechnik zusammenführen. Das Hans Lorenz Symposium in Berlin hat am 4. September 2014 zum 10. Mal stattgefunden und erneut ein Kaleidoskop geotechnisch herausragender und anspruchsvoller Themen und Projekte beleuchtet, so dass die Teilnahme zu einem anregenden beruflichen Highlight wurde. Der Wichtigkeit von Musik im Leben von Hans Lorenz folgend wurde der Tag klassisch konzertant eingeleitet. Die Rahmenbedingungen mit Vorträgen in modernen hellen Vorlesungsräumen – der zweite ermöglicht mit einer Simultanübertragung einer drohenden Überfüllung im ersten Saal zu entgehen – mit einem Foyer für die kleinen Pausen mit Erfrischungen und besten Kontaktmöglichkeiten sowie der großen Versuchshalle, in der sich mittags alle Gäste bei leckerem Essen vom Buffet erholen und mit angemessener Ruhe Gesprächen mit Kollegen widmen können, sind hervorragend und laden stets zum Wiederkommen ein.

Die in der Tagung hervorgehobene Hans Lorenz Vorlesung hat in diesem Jahr der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Geotechnik, Herr Prof. Dr.-Ing. Georg Heerten gehalten und darin seine über Jahrzehnte intensiv und oft leidenschaftlich erfolgreich verfolgte Ingenieuraufgabe im Hinblick auf schubkraftübertragende Bentonitmatten im Anwendungsbereich zwischen der Geotechnik mit dem Deponiebau und dem Wasserbau äußerst lebendig und authentisch vorgestellt: "25 Jahre geosynthetische Tondichtungsbahnen als mineralisches Dichtungselement im Wasserbau und Umweltschutz." Funktionsprinzipien, Entwicklung, mit Forschung und Hartnäckigkeit erarbeiteter Erfolg und eine Kette an Praxisbeispielen wurden in seiner Vorlesung klar und eindrucksvoll aufgezeigt.

Die weitere Tagung war in Blöcke zu Berliner Bauprojekten, Spezialtiefbau, Tunnelbau sowie Wasser- und Dammbau eingeteilt.

Berlin: Die von Bauherrenseite vorgetragenen Herausforderungen bei der Realisierung der innerstädtischen Infrastrukturmaßnahme BAB A 100 – 16. Bauabschnitt zeigen sich als ins Grundwasser einbindende innerstädtische Baumaßnahme mit einem Tunnel und Trögen mit Kreuzungen mehrerer Bahnlinien und Straßen in dicht besiedelter Umgebung mit kritischen einzubindenden Anliegern.

Nicht alltäglich ist, dass die Firmen Bauer und Keller gemeinsam vortragen und hier die Herausforderungen einer innerstädtischen Baugrube Deutsche Staatsoper Berlin unter Anwendung fast aller Verfahren des Spezialtiefbaus aufzeigten. Schlitz- und Bohrpfahlwände, Dichtsohlen, Steifen und Anker, Mikropfähle, Düsenstrahlkörper, Beseitigung von Hindernissen aus Stahl, Beton und Holzpfählen und erst während der Bauarbeiten als notwendig erkannte Vereisungen waren erforderlich, um eine tiefreichende komplex geformte Baugrube zu erstellen, die der Herstellung eines unterirdischen Bauwerks zur Aufnahme modernster Methoden für die Bühnentechnik ermöglichte. Nachvollziehbar, dass die Bewältigung all dieser Herausforderungen teuer wurde.

Kombinierte Pfahl-Plattengründungen waren in nachgiebigen Frankfurter Tonen zwingend, um sehr hohe Lasten aus Hochhäusern mit begrenzten Verformungen abtragen zu können. Sie zeigten sich aufgrund der vollständigen Ausnutzung des Pfahltragvermögens auch zunehmend als ein sehr wirtschaftliches Gründungselement und so ist nicht verwunderlich, dass leistungsfähige Geotechnik-Ingenieure Gründungsoptimierungen hinsichtlich von Kosten und geringen Verformungen mit dieser Gründungsart vornehmen, was mit Hilfe von 3D-FE-Modellen, variierten Pfahlanordnungen, klarer Nutzung von Versuchsdaten aus Feldversuchen und Probebelastungen möglich ist und vom GuD-Büro (Deterding, Hao und Hirschberg) souverän genutzt und am Beispiel der Hochhausgründung des Projektes Max und Moritz vorgestellt wurde.

Die Aufwertung des Gebäudebestandes im Herzen von West Berlin wurde im Beitrag von Steinhagen und Grothe über Upper-West – innerstädtische Trogbaugrube plakativ sichtbar. Schon die Vorgängerbauwerke reichten deutlich ins Grundwasser und musste mit ihren Bodenplatten rückgebaut werden, was teils unter Wasser geschah, aber nach Erstellung einer abschirmenden Schlitzwand auch im Schutz einer innerstädtischen Grundwasserabsenkung vorgenommen wurde, bevor für den deutlich tiefer reichenden Neubau zwischen den Schlitzwänden eine aussteifende und dichtende Trog-Sohlplatte im Düsenstrahlverfahren erstellt wurde. Den Trog durchörternd kamen Pfähle zur Auftriebssicherung und Großbohrpfähle für eine KPP-Gründung zur Ausführung, bevor zwischen eindrucksvollen zwei Steifenlagen an prominenter Stelle neben der Gedächtniskirche der tiefreichende Aushub zum Abschluss kam.

Spezialtiefbau passt noch nicht so ganz zu dem als Schwerpunktthema vorgestellten Projekt Stuttgart 21 mit seinem Hauptbahnhof, dessen Konzept, dessen gesamthafte statische Berechnung mit einem gewaltigen dreidimensionalen FE-Modell und dessen geotechnische Prüfung von Baugruben und Gründungen von einem Bauherrnvertreter (Maitschke), dem Tragwerksplaner (Bechmann) und dem Prüfer (Borchert et al.) vorgestellt wurde, da seine Bauausführung gerade erst beginnt. Die Komplexität geotechnischer Aufgaben darin und das zielgerichtete Vorgehen eines hochgradig vernetzten Teams von spezialisierten und versierten Bauingenieuren konnte gut sichtbar gemacht werden und öffnet unser Sensorium für viele weitere berichtenswerte Aspekte dieses Projektes in den nächsten Jahren.

Die Herstellung der 34 m tiefen Besichtigungsbaugrube am Waidmarkt in Köln, über die Moormann, Sieler, Kahlen und Schwarze berichten, erforderte dagegen ein großes Instrumentarium des Spezialtiefbaus, um die nächsten Schritte zur Klärung des katastrophalen Versagens der Stadtbahnbaugrube am Waidmarkt mit zwei Toten und gewaltigem Sachschaden zu ermöglichen. Der Beitrag ist eine solide und präzise Dokumentation der Elemente und des Ablaufes für diese herausfordernde Aufgabe und ihre Randbedingungen.

Sondermann und Wehr führten die Besucher weg von deutscher Infrastruktur und hin zur Gründung für eine Eisenerzverarbeitungsanlage in Malaysia, bei der Verformungsmessungen ein Monitoring der mit Baugrundverbesserungen kombinierten Pfahlgründung der gleisgeführten Beschickungsanlagen bei Mitwirkung von Abschirmwänden zu gewährleisten haben, um Betriebsvorgänge mit großen Lastumlagerungen im Rahmen verträglicher Verformungen zu belassen. Es wird gezeigt, dass optimierte Betriebsabläufe bei Verständnis sowohl der geotechnischen als auch der logistischen und operativen Randbedingungen ermöglichen, bei reduzierten Investitionen für die Bautechnik sichere, gebrauchstaugliche und wirtschaftliche Betriebsweisen hier eines Umschlagplatzes zu ermöglichen.

Zwei folgende Beiträge stellten Neuigkeiten bzw. Erfindungen zum Nutzen des Spezialtiefbaus dar, einmal von Wörle / Dedic zum Ankerkraft-Monitoring auf Basis der elastomagnetischen Eigenschaften ferromagnetischer Materialien – ein an Anker-Litzen oder –Stäben montierbarer Sensor, der langzeitig die Kraft im Stahl zu messen vermag – zum anderen von Schneider zu einem neuen Verfahren zur Qualitätssicherung von Schlitzwandfugen – mit dem die planmäßige Ausführung von Fugen zwischen Schlitzwandlamellen sicher detektiert werden kann.

Tunnelbau vom Feinsten ist sicherlich die Realisierung des Crossrail C310 ThamesTunnel, über dessen geotechnische und tunnelbautechnische Herausforderungen im städtischen Umfeld mit verschiedenen Baugrundverhältnissen, tidebeeinflusstem Grundwasser und einem beachtenswerten Vertragssystem Rädle und Wulf berichteten. Dazu gehören Verstärkungen bestehender Gründungen, Hebungs- und Abdichtinjektionen, aber auch der Umgang mit dem hydraulisch geförderten Kreide-Aushubmaterial in Filterpressen, und Hochtief ist mit hoher Verantwortung dabei.

Aydogmus und Hebbinghaus ergänzten mit Wheatstone Shore Crossing – Design of a Utility-Micro-Tunnel for Crossing under a Sensitive Shore area in the Australian Outback, und dem Berichter sind Eindrücke einer vollständig versorgten Insel-Baustelle im Nowhere in Erinnerung geblieben.

Drei Vorträge zum Wasser- und Dammbau rundeten den bunten Blumenstrauß der Beiträge ab.

Monopiles für Offshore-Windparks benötigen Kolkschutz und Grosser et al. zeigen am Beispiel Windpark Amrumbank-West, dass hierzu kleine geotextile Sandcontainer gut geeignet sind, die frühzeitig vorbereitend eingebaut und danach durchrammt werden können.

Als ein Highlight des Tages erwies sich der Beitrag von Brand, Bauer und Hamm zur Planung und Ausführung des Entnahmebauwerks für das Kohlekraftwerk in Wilhelmshaven, bei dem ein Sondervorschlag von Züblin zur Ausführung kam, bei dem das komplexe Bauwerk an verschiedenen Orten an Land gefertigt, eingeschwommen und vor Ort zusammengesetzt wurde. Hier waren Geotechniker und Massivbauer mit Kapitänspatent gefragt.

Der letzte Beitrag von Klima und Beckhaus berichtete über die 70 m tiefe als Schlitzwand hergestellte Dichtwand im Sylvensteindamm am Alpenrand im Oberlauf der Isar. Ein hochverformbarer Dichtwandbeton wurde eigens kreiert, um das geforderte Verformungs-, Dichtigkeits- und Erosionsfestigkeitsverhalten erfüllen zu können. Hohe Qualität, perfekter Bauablauf sowie innovativer Geräte- und Materialeinsatz prägten das Projekt.

Geist und Körper waren nach diesem 10. Hans-Lorenz Symposium Symposium müde aber gut genährt und die Teilnehmer danken Herrn Kollegen Savidis für das gelungene Ereignis, welches eine hohe Wertschätzung der Geotechnik aus und in Deutschland ermöglicht.

10.12.2014 Norbert Vogt

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