direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Rückblick

9. Hans Lorenz Symposium an der Technischen Universität Berlin

Das vom Fachgebiet Grundbau und Bodenmechanik-DEGEBO der Technischen Universität Berlin unter Leitung von Herrn Kollegen Professor Stavros Savidis veranstaltete 9. Hans Lorenz Symposium für Baugrunddynamik und Spezialtiefbau am 26.09.2013 war mit einer Fülle an Beiträgen zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten ein Spiegelbild der von Herrn Professor Heinz Brandl formulierten These, dass die Gesellschaft sich keineswegs bewusst ist, in welch großem Umfang die Geotechnik mit ihren weit über den traditionellen Grundbau hinausreichenden Beiträgen u.a. zur Infrastruktur, zur Wasserversorgung und Energiegewinnung, zur Abfallwirtschaft und Altlastensanierung sowie zum Schutz vor Naturkatastrophen die Voraussetzung schafft für den hohen Lebensstandard der Industrieländer und für die dynamische Entwicklung in den Schwellenländern.

Auf diesem Motto baute zugleich die diesjährige renommierte Hans Lorenz Vorlesung auf, in der Herr Kollege Professor Brandl auf „Das Image, die Verantwortung und die Herausforderungen des Geotechnik-Ingenieurs in der Gesellschaft“ einging. In einem sehr facettenreichen Vortrag setzte sich Herr Professor Brandl nachdrücklich für eine in der Tradition Karl Terzaghis stehende enge Verflechtung von Theorie und Praxis in der Geotechnik ein und zwar nicht nur in der Ingenieurpraxis, sondern gerade auch in der universitären Lehre und Forschung. Unter dem Eindruck zunehmender Normen, Richtlinien und Verordnungen warnte Professor Brandl in seinen Ausführungen davor, dass zu viele und intensive Regelungen Innovationen, das selbständige und kreative Denken sowie die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, hemmen könnten. Geotechnik müsse als Ingenieurdisziplin verstanden werden, die in ihrer Gesamtheit Theorie und Praxis, Wissenschaft und (Ingenieur-)Kunst in einem sei. Den Umstand, dass dennoch bei vielen Bauherrn, Behörden und Baufirmen in Spitzenpositionen Bauingenieure zunehmend durch Kaufleute, Juristen und Politiker ersetzt werden und diese oft meinten, ohne ingenieurtechnischen Sachverstand auszukommen, kommentierte Professor Brandl mit den - sicherlich pointierten - warnenden Worten „Ingenieure sind die Kamele, auf denen die Ökonomen zum Erfolg reiten.“

Im weiteren Tagungsprogramm standen zunächst mit zwei hochaktuellen Berliner Projekten, der Herstellung der Trogbaugruben für die geplante S-Bahnlinie S21 und den wasserrechtlichen Aspekten des Neubaus der U-Bahnlinie U5 zwischen Rotem Rathaus und Brandenburger Tor, sowie einem Bericht über den Söderströmstunnel, einem im Herzen Stockholms im Absenkverfahren erstellten Eisenbahntunnel, drei innerstädtische Infrastrukturprojekte im Mittelpunkt.

In dem sich anschließenden Themenschwerpunkt „Pfahlgründungen“ wurde sowohl über interessante Grundsatzuntersuchungen, beispielsweise zum Fließ- und Ansteifverhalten von Beton bei der Herstellung von Pfählen, als auch über herausragende internationale Bauaufgaben wie die Herstellung von 260 Bohrpfählen (D = 2,0 m) für den Tower des Lakhta Centre in St. Petersburg, das mit 462 m Gesamthöhe zukünftig höchste Gebäude Europas, berichtet.

Drei Beiträge zur Numerik beziehungsweise zu aktuellen, theoretischen Fragestellungen der Bodenmechanik behandelten insbesondere Aspekte der Modellierung des Material- und Systemverhaltens unter dynamischen und zyklischen Einwirkungen.

Im letzten Teil der Tagung wurden schließlich sechs Projekte vorgestellt, bei denen verschiedene Baugrubenkonzepte und Gründungsmethoden zum Einsatz gekommen sind und die wiederum im nationalen und internationalen Kontext den wichtigen und vielfältigen Beitrag der Geotechnik für die Gesellschaft bestens dokumentierten, wodurch sich der große inhaltliche Bogen des 9. Hans Lorenz Symposiums vortrefflich schloss.

Die große Vielfalt der Themenstellungen, die sich in den Beiträgen des 9. Hans Lorenz Symposiums wiederspiegelt, zeigt die von Herrn Professor Brandl angemahnte Notwendigkeit der engen Verflechtung von Theorie und Praxis, von fortschrittlichen Bemessungsansätzen und Simulationsmodellen einerseits und (Baustellen-)Erfahrung andererseits als in dieser Kombination unabdingbare Voraussetzung für technisch und ökonomisch optimierte, zugleich aber auch sichere und bautechnisch umsetzbare geotechnische Lösungen.

Eine ausgezeichnete Organisation, einschließlich Verpflegung und Mittagessen im schönen Ambiente der Peter Behrens Halle, sowie Möglichkeiten für interessante Diskussionen und Gespräche zwischen den Teilnehmern in den Pausen, rundeten das Gesamtbild des Symposiums ab. Die Beiträge des 9. Hans Lorenz Symposiums wurden im Heft Nr. 63 der Veröffentlichungen des Grundbauinstitutes der Technischen Universität Berlin publiziert.

Das 10. Hans Lorenz Symposium wird in diesem Jahr wegen der Baugrundtagung vorgezogen und am 04.09.2014 an der Technischen Universität Berlin stattfinden.

Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Christian Moormann, Stuttgart

Zusatzinformationen / Extras

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe